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Antikörper

Der Onkologe hat Ihnen beim letzten Gespräch mitgeteilt, dass Sie eine Chemo- und eine Antikörpertherapie erhalten sollen. Sicher hat er Ihnen auch erklärt, was es damit auf sich hat, aber in der ganzen Aufregung haben Sie nicht alles mitbekommen oder auch schon wieder viel vergessen. Das ist völlig natürlich. Im vorangegangenen Kapitel wurde schon auf die Vorgehensweise bei einer Chemotherapie eingegangen. Jetzt sollen Sie erfahren, was es mit den Antikörpern auf sich hat.

Wie Sie sicher wissen, verfügt unser Immunsystem über eigene Antikörper zur Bekämpfung verschiedener Krankheitserreger. Sie dienen also der Immunabwehr.

In der Krebstherapie handelt es sich um künstlich hergestellte Eiweißmoleküle, den sogenannten „monoklonalen Antikörpern“. Sie sollen durch verschiedene Wirkmechanismen das Wachstum von Tumorzellen unterbinden. So werden zum Beispiel, indem sich die im Labor hergestellten künstlichen Antikörper an die auf der Oberfläche der Tumorzelle befindlichen Antigene andocken, wichtige Wachstumssignale blockiert, so dass die Zelle abstirbt. Oder die Antikörper unterdrücken die Neubildung von Blutgefäßen, die der Tumor ab einer bestimmten Größe dringend für sein Wachstum braucht.

Bei dieser Form der Behandlung spricht man von einer „zielgerichteten Therapie“ (targeted therapy), weil sich das Medikament – der Antikörper – an bestimmte, an der Zelloberfläche befindliche, Antigene anhängt und damit, nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, den Weg für andere Moleküle, die dem Wachstum des Tumors dienen, verschließt.

So ist nachvollziehbar, dass der eingesetzte Antikörper abgestimmt sein muss auf die jeweiligen Antigene der unterschiedlichen Tumore. Bevor also ein Antikörper eingesetzt wird, muss klar sein, dass die entsprechenden Antigene überhaupt vorhanden sind. Im Vorfeld der Therapieentscheidung findet also in der Regel eine entsprechende Laboruntersuchung statt. Das erklärt auch, warum einige Patienten Antikörper bekommen, andere dagegen nicht, auch wenn vielleicht die Grunderkrankung dieselbe ist.

Eine Therapie mit Antikörpern kann in Kombination mit einer Chemotherapie gegeben werden, aber auch als Monotherapie. Auch das entscheidet der Arzt für den Patienten individuell, je nach Art und Ausdehnung der Tumorerkrankung.

Auch hier gilt erneut: Die Möglichkeiten der Therapie von Krebserkrankungen sind vielfältig und hängen von vielen verschiedenen Faktoren ab. Vergleichen Sie sich also nicht mit anderen, selbst wenn diese unter der gleichen Tumorerkrankung leiden. Trotzdem können die gewählten Therapien sich unterscheiden. Ein guter Onkologe arbeitet nach standardisierten wissenschaftlichen Kriterien, die aufgrund der Ergebnisse therapeutischer Studien und klinischer Erfahrungen zusammengestellt wurden.

Zur Gabe von Antikörpern sollten Sie noch wissen, dass es – vor allem bei der ersten Gabe – gelegentlich zu allergischen Reaktionen kommen kann. Diese beruhen darauf, dass der Körper sich gegen die Eiweißstoffe, aus denen die Antikörper bestehen, wehrt.

Sollten Sie auf ein Medikament reagieren, haben Sie keine Angst und versuchen Sie, möglichst ruhig zu bleiben! Ärzte und Pflegepersonal wissen mit den Nebenwirkungen, wie Blutdruckschwankungen, kurzzeitiger Atemnot oder Schüttelfrost, umzugehen und werden Sie sofort entsprechend behandeln. Meist bleibt es bei dem einen Vorfall, alle weiteren Gaben sind dann meist völlig unkompliziert.