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Nebenwirkungen

Wie gut eine Chemotherapie vertragen wird, lässt sich im voraus nicht beantworten. Jeder Patient reagiert individuell auf die Medikamente, die er bekommt. Allerdings gibt es gängige Nebenwirkungen, die – wie die Erfahrung gezeigt hat – gehäuft auftreten, wie zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen, Begleiterscheinungen, die sicher vielen Patienten als die “Schreckgespenster der Chemotherapie” bekannt sind. Aber keine Angst: in dieser Hinsicht hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel getan, um die Therapie für den Patienten erträglich zu machen. So werden heute schon prophylaktisch, vor der Gabe des eigentlichen Chemotherapie-Medikamentes, des sogenannten Zytostatikums, Infusionen gegen Übelkeit und Erbrechen gegeben, um diese Nebenwirkungen schon im Vorfeld einzudämmen.

Grundsätzlich gilt aber: über jede Nebenwirkung (Fachbegriff: Toxizität) sollte der Patient seinen Onkologen unterrichten, damit dieser rechtzeitig Maßnahmen zur Besserung ergreifen kann. Denn gegen fast alles ist ein “Kräutchen gewachsen”, wie der Volksmund sagt und der Patient muss diese, in höchstem Maße unangenehmen und beeinträchtigenden Nebenwirkungen der Therapie nicht aushalten, wie das vor vielen Jahren noch der Fall war.

In der Regel bekommen Sie von Ihrem Arzt auch für zu Hause einige Medikamente, die Sie bei Bedarf oder nach Verordnung einnehmen sollten. Einem mitgegebenen Medikamentenplan können Sie alle Details entnehmen. Und bitte halten Sie sich an die Empfehlungen Ihres Arztes, denn nur so ist gewährleistet, dass sie die Therapie gut vertragen. Sollte das verordnete Medikament nicht die gewünschte Wirkung erzielen, besprechen Sie bitte auch das mit Ihrem Onkologen. Es kann immer sein, dass die Dosierung angepasst werden oder einfach ein anderes Präparat gewählt werden muss.

Von vielen Patienten haben wir im Laufe der Jahre immer wieder gehört, dass Sie die Medikamente zu Hause nicht so einnehmen, wie vorgesehen und besprochen, selbst dann nicht, wenn es ihnen schlecht geht. Auf Nachfrage erhielten wir oft die Antwort, “dass ja mit der Chemotherapie schon genug Chemie den Körper überflutet und das bisschen Übelkeit und Erbrechen schon auszuhalten sei”. Dazu sei gesagt, dass der Patient sich selbst mit dieser Vorgehensweise mehr schadet, als wenn er die unterstützenden Medikamente (Supportivmedikation), wie verordnet, einnehmen würde. Denn ein besonders wichtiger Faktor um das Thema Krebs und Chemotherapie ist der Erhalt der Lebensqualität. Was nutzt eine Therapie gegen die Erkrankung, wenn die Nebenwirkungen einem so zusetzen, dass ein normaler Alltag kaum noch möglich ist und sich ein gutes Maß an Optimismus bezüglich der eigenen Situation gar nicht mehr einstellen kann.

Im Folgenden seien die gängigsten Toxizitäten unter Chemotherapie aufgelistet.

Appetitlosigkeit (Inappetenz):

Bei manchen Patienten bleibt unter der Chemotherapie der Appetit auf der Strecke. Häufig leiden auch die Geschmacksnerven und wenn man nichts schmeckt, warum sollte man dann essen. Sollten Sie betroffen sein, versuchen Sie, wann immer es Ihnen möglich ist, über den Tag verteilt, Kleinigkeiten zu essen. Stellen Sie sich fertig zubereitete Obstteller, vielleicht eine Schale mit Nüssen auf den Tisch. Auch wenn die Schweinshaxe jetzt gar nicht mehr geht, vielleicht versuchen Sie einen Teller Suppe zu essen. Auf jeden Fall alles, worauf Sie vielleicht doch Appetit haben.

Behalten Sie unbedingt Ihr Gewicht im Auge. Wenn Sie an Gewicht abnehmen, sprechen Sie mit Ihrem Onkologen. Der wird Ihnen zunächst vermutlich eine zusätzliche hochkalorische Flüssignahrung verordnen. Denn Gewichtsverlust geht natürlich immer auch einher mit dem Verlust an Kondition und den gilt es zu vermeiden. Wenn Sie zu stark abnehmen und auch die Zusatznahrung nicht den gewünschten Erfolg bringt, muss eventuell vorübergehend eine parenterale Zusatzernährung über einen Katheter gegeben werden. Ihr Arzt wird das zu gegebenem Zeitpunkt mit Ihnen besprechen!

Blutarmut (Anämie):

Durch die Chemotherapie verringern sich meist die Blutwerte. Wenn der Hb-Wert niedrig ist, fühlt man sich schlapp und müde, denn es wird weniger Sauerstoff durch den Körper transportiert, weil die entsprechenden Zellen fehlen.

Wenn der Hb-Wert zu schlecht wird, kann es sein, dass Sie eine Bluttransfusion benötigen. Das ist im Bereich der Onkologie keine Seltenheit und ein Segen für die Patienten, die unter dieser Nebenwirkung leiden. Denn die Gabe von sogenannten “Erythrozytenkonzentraten” bewirkt in kürzester Zeit, dass sich die Kondition verbessert und die Schlappheit nachlässt.

Blutbildveränderungen:

Die Chemotherapie richtet sich leider nicht nur gegen Krebszellen, sondern auch gegen alle anderen Zellen des Körpers. Etwa 7-14 Tage nach der Therapie verringern sich auch die Menge der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). In diesem sogenannten “Nadir” ist es wichtig, die Blutwerte zu kontrollieren, um sicherzugehen, dass die Werte nicht zu weit absinken und den Patienten in Gefahr bringen. Bis zum nächsten Therapiezyklus sollten die Werte sich soweit wieder erholt haben, dass die erneute Gabe von Chemotherapie möglich ist. Ist das nicht der Fall, wird die Therapie verschoben werden.

Durchfall (Diarrhoe):

Zu den sich schnell teilenden Zellen des Körpers, die durch die Chemotherapie besonders in Mitleidenschaft gezogen werden, gehören auch die Schleimhautzellen des Verdauungstraktes. Unter der Therapie kann es daher zu Durchfällen kommen, welche mit einem potententen Medikament, wie zum Beispiel Loperamid, behandelt werden. Nach jedem flüssigen Stuhl, maximal sieben Mal kann eine Kapsel, natürlich nach Rücksprache mit dem Arzt, genommen werden. Sind die Durchfälle nicht so schlimm, haben sich auch schon Naturprodukte, wie etwa Flohsamen oder auch Heilerde bewährt. Diesbezüglich kann Ihnen ein Reformhaus weiterhelfen. Aber auch diese Maßnahmen sollten Sie zuvor mit Ihrem Onkologen besprechen.

Fieber:

Sollten Sie während der Behandlungsdauer Fieber über 38 Grad bekommen, müssen Sie sofort den Arzt verständigen. Auch in der Nacht oder am Wochenende. Denn wenn Sie in der Zeit des Nadirs, also wenn die Leukozytenzahl gering ist, einen bakteriellen Infekt bekommen, muss sofort ein Antibiotikum gegeben werden, um diesen einzudämmen. Andernfalls kann es zu einer gefährlichen, unter Umständen lebensbedrohlichen Sepsis kommen. Das gilt es zu vermeiden!

Haarausfall (Alopezie):

Besonders die sich schnell teilenden Zellen des Körpers werden zuerst von der Chemotherapie angegriffen, denn das Zytostatikum kann nur während der Teilungsphase einer Zelle angreifen. Zu diesen Zellen gehören zum Beispiel Schleimhautzellen und Haarwurzelzellen. Aber nicht alle Zytostatika machen Haarausfall. Ob Sie damit rechnen müssen, etwa bei der Gabe von Antrazyklinen, wird Ihnen vor der ersten Therapie Ihr Arzt mitteilen. Sie sollten sich dann, schon zu Beginn der Therapie, ein Rezept für eine Perücke aushändigen lassen, falls sie diese tragen möchten, denn der Haarausfall beginnt schon ziemlich bald im ersten Zyklus.

Hand-Fuß-Syndrom:

Hierbei handelt es sich um schmerzhaft gerötete Hautveränderungen an Handinnenflächen und Fußsohlen. Die Veränderungen können unterschiedlich ausgeprägt sein, bis hin zur Blasenbildung, die eine Funktionseinschränkung zur Folge hat. Besonders das Zytostatikum 5-Fluoruracil kann diese unangenehme Nebenwirkung hervorrufen. Wenn Sie dieses Medikament bekommen, sollten Sie besonders schonend mit Händen und Füßen umgehen. Tragen Sie bei der Arbeit möglichst weiche Baumwollhandschuhe, setzen Sie sich keinen Extremtemperaturen aus, reiben Sie die Hände nach dem Waschen nicht am Handtuch ab. Nutzen Sie parfumfreie Salben. Sollten erste Anzeichen das Hand-Fuß-Syndroms sichtbar sein, reiben Sie Hände und Füße mit uridinhaltiger Salbe ein. Ihr Apotheker kann Ihnen ein Präparat empfehlen.

Manchmal sind auch die Nägel in Mitleidenschaft gezogen. Eine engmaschige Nagelpflege ist daher hilfreich. Tragen Sie die Nägel kurz geschnitten und vermeiden Sie zu enges Schuhwerk, das Druckstellen hinterlassen könnte.

Müdigkeit (Fatigue):

Einige Patienten leiden in der Phase der Therapie unter einer starken Müdigkeit und Konditionsschwäche. Das ist sehr belastend, weil es die Alltagsaktivitäten und die Lebensqualität massiv einschränkt. Leider sind die Behandlungsmöglichkeiten in diesem Fall nur begrenzt. Seit Jahren wird immer wieder zu dieser Nebenwirkung geforscht. Das bisher einzig adäquate Mittel, um dem sogenannten Fatigue-Syndrom entgegenzuwirken, sind Bewegung und Sport. Auch wenn es paradox erscheint, denn gerade dazu fühlt man sich ja kaum in der Lage, hat sich gezeigt, dass Patienten, die sich versuchen zu überwinden und sich sportlich betätigen, frischer werden. Die Müdigkeit und extreme Lethargie geht zurück, der Patient fühlt sich besser und kann wieder am Alltagsgeschehen teilnehmen. Mit sportlicher Betätigung werden dabei keine Höchstleistungen gefordert. Regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft, ein paar gymnastische Übungen, vielleicht gemeinsam mit Freunden oder der Familie oder eine halbe Stunde gemächliches Schwimmen wirken oft Wunder. Probieren Sie es aus! Lediglich am Tag der Chemotherapie sollten Sie keinen Sport treiben!

Mundschleimhautentzündung (Stomatitis):

Häufig wird die Schleimhaut durch die Chemotherapie angegriffen werden. Besonders unangenehm und schmerzhaft können Schleimhautveränderungen in der Mundhöhle sein. Eine problemlose Nahrungsaufnahme ist in diesem Fall kaum möglich, daher ist es besonders wichtig, die Mundschleimhaut im Falle einer Entzündung frühzeitig zu behandeln. Dazu gibt es etablierte Mundspüllösungen oder Gel auf der Basis von Lidocain. Um die Schleimhautreizung gering zu halten, sollten Sie während der Dauer der Therapie einige Dinge beachten:

  • benutzen Sie eine weiche Zahnbürste, die das Zahnfleisch nicht zusätzlich reizt
  • meiden Sie allzu scharfe oder saure Speisen
  • Nahrungsmittel sollten nicht zu heiß oder zu kalt aufgenommen werden
  • scharfe Kanten, die die Mundschleimhaut verletzen könnten, meiden (z.B. Brotkrusten)
  • trinken Sie ausreichend Wasser
  • Alkohol nur in Maßen, auf Nikotin möglichst verzichten

Und hier noch einige natürliche Hilfsmittel:

Fertigen Sie sich zu Hause Eiswürfel aus Ananassaft oder Salbeitee und lutschen Sie diese über den Tag verteilt.

Mundspülungen mit Salbei- oder Ringelblumentee sind ebenfalls sehr hilfreich, auch schon zur Prophylaxe. Die Extrakte aus Salbei und Ringelblumen wirken zudem entzündungshemmend.

Nervenschädigungen (Polyneuropathie):

Einige Wirkstoffe sind bekannt für ihr nerventoxisches Potential, wie zum Beispiel die Gruppe der Taxane. Vor allem in Händen und Füßen kann es unter der Therapie zu Kribbeln und Mißempfindungen (sog. Parästhesien) kommen. Das ist eine sehr unangenehme Nebenwirkung, die man im Auge behalten muss. Bei der Aufklärung über Ihre Behandlung wird Ihr Onkologe mit Ihnen über diesen Aspekt gesprochen haben. Es ist sehr wichtig, dass Sie Veränderungen in diesem Bereich rückmelden, damit der Arzt rechtzeitig Maßnahmen ergreifen kann. Denn die Nervenschädigungen sind häufig langanhaltend und in manchen Fällen irreversibel, d.h. dauerhaft fortbestehend. Um das zu vermeiden, sollte bei Auftreten dieser Toxizität die Dosis des Medikament verringert oder dieses sogar abgesetzt werden. Das obliegt der Entscheidung Ihres Onkologen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie auftretende Probleme in diesem Bereich sofort äußern!

Schmerzen:

Schmerzen unterschiedlichster Art können durch die Tumorerkrankung oder auch durch die Behandlung hervorgerufen werden. Sprechen Sie unbedingt sofort mit Ihrem Arzt, wenn Sie Schmerzen haben. Schmerzen sind subjektiv, d.h. sie werden von jedem anders empfunden! Und Schmerzen sind nur schwer auszuhalten und müssen behandelt werden! Es gibt eine große Palette an potenten Schmerzmedikamenten mit unterschiedlichsten Wirkmechanismen, die zum Einsatz gebracht werden können.

Sodbrennen (Refluxösophagitis):

Zytostatika schlagen leider oft auf den Magen, beeinträchtigen die Schleimhaut. Folge davon kann das überaus unangenehme Sodbrennen, vor allem nach den Mahlzeiten sein. Für diesen Fall wird Ihnen Ihr Onkologe sicher ein Medikament verordnet haben, das Sie bei Bedarf sofort nehmen können und sollten! (sog. Protonenpumpenhemmer)

Übelkeit und Erbrechen (Nausea):

Wie bereits im vorangegangenen Text erwähnt, wird die Übelkeit bereits prophylaktisch vor der Chemotherapiegabe behandelt (sogenannte Antiemese). Das ist besonders wichtig, weil sich die auslösenden Reize einer Übelkeit im Gehirn besonders stark einprägen und immer wieder auftreten, sobald sich die Situation wiederholt. Patienten, die einmal unter starker Übelkeit und Erbrechen gelitten haben, sind oft kaum in der Lage, zur nächsten Therapie zu kommen, ohne sofort wieder Erbrechen zu empfinden. Man nennt dies antizipatorisches Erbrechen, ein erlernter Mechanismus, der den Körper  in einen regelrechten Teufelskreis versetzt. Es ist also von besonderer Bedeutung, dies zu vermeiden.

Neben den intravenös verabreichten Medikamenten gegen Übelkeit nehmen Sie also bitte auch zu Hause die verordneten Tabletten. Naturheilkundlich sind Ingwerwurzel (im Tee aufgebrüht) oder Pfefferminztee auch durchaus hilfreich.

Verstopfung (Obstipation):

Verstopfung kann sowohl eine Folge der Chemotherapie, als auch der Therapie mit Schmerzmitteln, wie Opioiden, sein. Auch manche Mittel gegen Übelkeit beeinträchtigen die Darmtätigkeit und können Verstopfung verursachen. Medikamente zur Aufweichung des Stuhls sind hier angezeigt. Helfen kann auch ausreichend Bewegung, ballaststoffreiche Ernährung unter Beimischung von Flohsamen. Flohsamen wirken durch ihre Quelleigenschaft und Gelbildung sowohl bei Verstopfung wie auch bei Durchfall.

Allgemeiner Literaturhinweis:

Dobos, Gustav, Kümmel, Sherko: Gemeinsam gegen Krebs. Naturheilkunde und Onkologie – zwei Ärzte für eine menschliche Medizin. Verlag Zabert Sandmann GmbH. München 2011

Neben fundierten Aspekten der Schulmedizin finden Sie in diesem Buch auch einige sinnvolle und etablierte naturheilkundliche Hilfen.